Wow, und schon ist der April wieder vorbei. Ein Monat mit einem ganz ungewöhnlichen und trotzdem entspannten Osterfest, ein Monat, in dem sich mein Mann und ich das Ja-Wort gegeben haben und in dem ich arbeitstechnisch so viel zu tun hatte wie ewig nicht mehr! Und trotz alledem habe ich tatsächlich Zeit gefunden, wenigstens vier Bücher zu genießen – oder sagen wir, zu lesen. Denn leider gab es wieder einen kleinen Ausreißer. Aber schauen wir uns doch meinen Lesemonat April 2021 erstmal an:

Lesemonat April 2021

“Die Optimierer” von Theresa Hannig ☆☆☆☆
“Das Lied der Nacht” von C.E. Bernard ☆☆
“Das Lied der Krähen” von Leigh Bardugo ☆☆☆☆☆
“Das Gold der Krähen” von Leigh Bardugo ☆☆☆☆☆

Alles fast ganz optimal

Auf “Die Optimierer” von Theresa Hannig war ich sehr gespannt. Ein guter Freund hat es im Rahmen seiner Ausbildung zum Buchhändler gelesen und mir letztens als Empfehlung geschickt. Er wäre damals zwar schwer reingekommen, aber irgendwie hätte das Buch was. Und der Klappentext liest sich tatsächlich so, als wäre es perfekt für mich (Zitat “Die Optimierer”):

Im Jahr 2052 hat sich die Bundesrepublik Europa vom Rest der Welt abgeschottet. Hochentwickelte Roboter sorgen für Wohlstand und Sicherheit in der sogenannten Optimalwohlökonomie. Hier werden alle Bürger von der Agentur für Lebensberatung rund um die Uhr überwacht, um für jeden Einzelnen den perfekten Platz in der Gesellschaft zu finden.
Samson Freitag ist Lebensberater im Staatsdienst und ein glühender Verfechter des Systems. Doch als er kurz vor seiner Beförderung beschuldigt wird, eine falsche Beratung erteilt zu haben, gerät er in einen Abwärtsstrudel, dem er nicht mehr entkommen kann. Das System legt alles daran, ihn zu optimieren… ob er will oder nicht.

Ich weiß, warum mein Freund nicht sofort warm mit der Geschichte wurde: Samson Freitag ist vielleicht nicht gerade jemand, den man auf Anhieb mag. Ein elender Bürokrat mit dem Hang zum Perfektionismus, zu 100% regelkonform oder im übertragenen Sinne: Samson ist der klischeehafte Nachbar, der Grundstücksgrenzen mit Lineal abmisst und den Rasen mit der Nagelschere stutzt. Und trotzdem war ich sofort gefesselt. Das Setting ist von Seite eins an interessant, da es mitten in Deutschland spielt, das Konzept einer “Optimalwohlökonomie” durchdacht und nicht umsonst hatte ich das Buch an einem Abend durch. Ein Sternchen Abzug gibt es lediglich aufgrund der Vorhersehbarkeit. Insgesamt gibt es für meinen Geschmack zu viele offensichtliche Andeutungen auf das Ende, das mich dann nicht mehr richtig packen konnte. Insgesamt gibt es dennoch eine große Leseempfehlung für alle, die etwas “erwachsenere” Near Future Fiction suchen.

Das Lied des unrealistischen Plots

Es tut mir im Herzen weh, diese Zeilen zu schreiben, denn wie schon auf Goodreads gesagt: Ich wollte dieses Buch nicht nur mögen, ich wollte es lieben! Die Palace-Saga von C.E. Bernard habe ich förmlich verschlungen und ich war SO gespannt, was sie Neues auf den Markt bringt. Also habe ich mich kurzerhand zu einem Buddy Read mit Kati verabredet und mich auf die Geschichte hinter einem vielversprechenden Klappentext gefreut (Zitat “Das Lied der Nacht”):

„Das Lied der Nacht” ist die Geschichte des in sich gekehrten Wanderers Weyd und der mutigen Bardin Caer, die gemeinsam vor einer fast nicht zu bewältigenden Aufgabe stehen: Feuer in einer Welt entzünden, in der Schatten, Albträume und Furcht regieren. Und die einzige Hoffnung, die sie in diesem Kampf haben, ist ein Lied …

Der Stil: Gewöhnungsbedürftig. Aber nicht schlecht. Es liest sich recht poetisch, durch den auktorialen Erzählstil bekommt man Einblicke in die Köpfe vieler Charaktere und es braucht eine Weile, um reinzukommen. Hat man das geschafft, ist es leider die Storyline, die mich enttäuscht hat. Ich habe ein episches Fantasyspektakel erhofft, aber eine Reihe von “Hä, wie soll das gehen?”-Momenten bekommen. Da finden ganze Massaker bei kompletter Schwärze statt, Pferde rasen ohne Probleme durch Schwärze, Schatten können in der absoluten Finsternis gesehen werden und für mich bleibt komplett unklar, von welchen Distanzen und Größenverhältnissen wir reden. Mal scheinen sich Charaktere förmlich beamen zu können, mal brauchen sie ewig.

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe die Grundidee, aber auf mich wirkt es, als wäre diese Idee noch nicht zu Ende gedacht. Zu viele Plotlöcher, Ungereimtheiten, teilweise Fehler, die spätestens im Korrektorat hätten auffallen müssen (Da wird aus einer Frau mal flott ein Typ, hier sind es zehn Schatten, später sieben). Außerdem hätte mir eine Triggerwarnung bezüglich sexualisierter Gewalt an Frauen gut getan, aber das ist ein generelles Problem im deutschen Buchmarkt, weshalb ich es hierfür keinen Stern Abzug gibt. Meine persönliche Meinung: Ich werde die Reihe leider nicht weiterlesen.

Die großen Highlights des Monats

Wie sagt man so schön? Das Beste kommt zum Schluss und damit ist die “Krähen”-Dilogie von Leigh Bardugo gemeint. Sekunde, dieselbe Leigh Bardugo, von der ich schon im letzten Rückblick geschwärmt habe? Richtig. Wir reden immer noch von der Autorin, welcher wir das aktuelle Netflix-Highlight “Shadow & Bone” zu verdanken haben und die eine ganze Reihe von Büchern in dieser Welt geschrieben hat. Nachdem ich die Grisha-Trilogie geliebt habe, war ich sehr gespannt auf die Krähen und nehme eine Sache vorweg: Die Liebe bleibt bestehen. Aber schauen wir uns erst den Klappentext von Band 1 “Das Lied der Krähen” an:

Ketterdam – pulsierende Hafenstadt, Handelsmetropole, Tummelplatz zwielichtiger Gestalten: Hier hat sich Kaz Brekker zur gerissenen und skrupellosen rechten Hand eines Bandenchefs hochgearbeitet. Als er eines Tages ein Jobangebot erhält, das ihm unermesslichen Reichtum bescheren würde, weiß Kaz zwei Dinge: Erstens wird dieses Geld den Tod seines Bruders rächen. Zweitens kann er den Job unmöglich allein erledigen …

Ich habe den Klappentext gekürzt, da er sehr viel spoilert und ich denke, diese Worte reichen. Im Fokus der Dilogie steht die “Krähen”-Bande aus Ketterdam, einer zweifelhaften Stadt mit noch zweifelhafteten Gestalten. Und was soll ich sagen? Ich liebe sämtliche Charaktere auf ihre Weise. Seien es der stets unnahbare Mastermind Kaz, das schleichende “Phantom” Inej, der coole Jesper mit seinem Hang zum Glücksspiel, die schlagfertige Nina, der zerrissene Matthias oder der niedliche Wylan. Es macht unglaublich viel Spaß, die Bande auf ihrer Mission zu verfolgen, immer mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren und sich von den Plottwists mitreißen zu lassen. Oder um es anders zu sagen: Es ist eine der wenigen Dilogien, die es geschafft hat, dass ich sowohl richtig lachen als auch weinen musste. Eine glatte 5-Sterne-Empfehlung ohne Wenn und Aber.

Wie war euer Lesemonat April 2021?

Zu guter Letzt würde mich natürlich super interessieren, wie euer Lesemonat April 2021 so war. Hattet ihr große Highlights dabei? Lowlights? Vielleicht haben wir sogar das gleiche Buch gelesen und ihr habt nochmal eine andere Meinung? Ich freue mich wie immer auf den Austausch mit euch und zu guter Letzt nur noch eine Frage: Künftig Klappentexte zitieren, ja oder nein?

Liebe Grüße